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6. Oktober 2011

Das System ist pervers

Das Wort den Parteien im Grenz-Echo vom 06. Oktober 2011. In Bezug auf die "Woche des fairen Handels" vom 5. - 15. Oktober bezieht ECOLO Stellung zur Überproduktion und Verschwendung von Nahrungsmitteln.
Das System ist pervers

Die Woche des fairen Handels findet dieses Jahr in Belgien vom 05. bis zum 15. Oktober statt.  Am 16. Oktober ist der Welternährungs- bzw. Welthungertag, der darauf aufmerksam machen soll, dass weltweit mehr als 900 Millionen Menschen an Hunger leiden. Und der 17. Oktober ist der internationale Tag zur Beseitigung der Armut. 


Fairer Handel, Hunger oder Armut - das hat viel mit unserem Konsumverhalten hier in der westlichen, industrialisierten Welt zu tun.  Wenn man bedenkt, dass den 900 Millionen Menschen, die an Hunger leiden, 1,5 Milliarden Menschen gegenüberstehen, die übergewichtig sind, dann ist das skandalös, erschreckend und absurd! Das System der weltweit organisierten Nahrungsmittelherstellung und -verteilung ist pervers – dieser Ansicht ist auch Valentin Thurm, Regisseur des Films „Taste the Waste“, einer Dokumentation über die weltweite Verschwendung von Nahrungsmitteln. 


Denn dieses System erzeugt Überproduktion und gleichzeitig  unvorstellbare Vergeudung; dieses System ist eine Verstrickung aus u. a. Konsumverhalten, Gesetzen, gesellschaftlichen Verhaltensweisen und grenzenloser Profitgier.  Das Resultat? Ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird weggeschmissen.  In den Industriestaaten landet sogar rund die Hälfte aller Lebensmittel, die täglich produziert werden, nicht in unseren Mägen, sondern auf dem Müll! Es wird also genau so viel weggeworfen wie gegessen!


Eine Verschwendung ungeheuren Ausmaßes, die angesichts der Hungersnöte und der weltweiten Armut empörend ist.  Die verschwendeten Nahrungsmittel würden bei weitem ausreichen, alle Hungernden zu versorgen.  Doch damit nicht genug!  Mit Grundnahrungsmitteln wird bei Termingeschäften an der Börse spekuliert und viel Geld gemacht. Das sind nicht nur anonyme Geldhaie, das sind vermehrt auch private Pensionskassen, die unser gespartes Geld günstig anlegen wollen, damit diejenigen, die in private Rentenversicherungen investieren, in Zukunft eine dezente Rendite und somit Rente erhalten. 


Das System ist pervers - das erkennt jeder, ohne dass noch auf die sogenannte Agrarmafia eingegangen werden muss, die durch u. a.  Gentechnik Kleinbauern weltweit von ihrem Saatgut abhängig macht. Pervers ist auch, dass reiche Staaten, Großkonzerne und Spekulanten riesige Agrarflächen in Afrika, Asien und Lateinamerika aufkaufen, um darauf  Agrartreibstoffe für unsere Autos anzubauen. Und pervers sind auch die massiven Umweltprobleme, die dieses System verursacht. 


Das System ist pervers - aber wir als Verbraucher haben sehr viel Macht. Es ist unser Verhalten, das Vieles bestimmt und ändern kann. Weniger Fleisch konsumieren, fair gehandelte Produkte kaufen, auf regionale und saisonale Produkte Wert legen, das Essen und die Ernährung einfach mehr wertschätzen… Bereit sein, für seine Lebensmittel auch einen „fairen Preis“ zu zahlen… Das alles sind kleine, aber wichtige Schritte in die richtige Richtung.


Monika Dethier-Neumann

Regionalabgeordnete