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18. September 2008

Schildkröten haben Panzer, Kinder nicht

Der 16. September ist traditionsgemäß der Start der europäischen Woche der Mobilität. Jedes Jahr wird auch durch Aktionen der Ecolo-Lokalgruppe Eupen auf das Thema aufmerksam gemacht. Die Fusion der Unterstädter Grundschulen wurde mit dem neuen Schuljahr vollzogen. Planungen für das Schulzentrum an der Monschauer Straße stehen an. Drei Grundschulen an einem Standort. Wie sieht es da mit der Verkehrssicherheit unserer Kinder aus? - Werden diese Überlegungen frühzeitig aufgenommen? - Was ist zu beachten, wann werden Experten hinzugezogen? - Ist Mobilität immer gleich Auto? Gibt es Alternativen? Diese Fragen stellt Ecolo exemplarisch für die Monschauer Straße, wohl wissend, dass dies für jede Schule gilt.
Schildkröten haben Panzer, Kinder nicht

Mobilität = Auto?

Die Mobilität ist Bestandteil des täglichen Lebens.
Es vergeht kein Tag, ohne dass wir uns nicht auf die eine oder andere Weise, damit auseinander setzen.
Doch allzu häufig verbinden wir das Wort "Mobilität? mit Auto, auch wenn überall davon geredet wird, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, Fuß- und Radwege auszubauen.

Die  Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache.

Die Entwicklung der schulischen Mobilität ist eindeutig: im Jahr 1980 wurden in der Wallonischen Region 23% aller Fahrten zur Schule mit dem Auto zurückgelegt. Heute sind es 55%. Also eine Verdopplung.
Der Weg zu Fuß ist von 36% auf 23% zurückgegangen und die Nutzung der öffentlichen Transportmittel von 35% auf 22%. Lediglich 2% aller Fahrten werden mit dem Rad unternommen.

Auf manchen Autos ist es zu lesen "Taxi Mama?.

Die Konsequenzen spüren wir täglich, auch oder gerade in Eupen.
War in den Ferienmonaten von Staus im Zentrum nichts zu spüren, so schieben sich die Blechlawinen jetzt wieder durch die Stadt.
Mit Konsequenzen für die Lebensqualität und die Gesundheit!

Rund um die Schulen bilden sich Konvois von Eltern, die ihre Kinder bringen und abholen.
Fragt man viele Eltern nach dem Grund für die Nutzung des Autos, so sagen viele, dass es ihnen zu gefährlich sei, ihre Kinder zu Fuß, oder mit dem Rad in die Schule zu schicken. Das Problem ist also hausgemacht.

In Anbetracht der Tatsache, dass mit dem Schulzentrum an der Monschauer Straße ein neues Megazentrum entstehen wird, wo in unmittelbarer Nähe mit SGU und französischer Schule auch noch die IDGS, das RZKB und die Hochschule angesiedelt ist, besteht dringender Handlungsbedarf.
Die Mobilitätsfrage muss man spätestens jetzt in alle Planungen mit einbeziehen (eigentlich hätte sie schon bei der Standortfrage berücksichtigt werden müssen).
Überlegungen, die hier angestoßen werden, können auch für andere Schulzentren, RSI, Athenäum, PDS..., exemplarisch sein, die allesamt an viel befahrenen Strassen liegen. Viele Kinder und Jugendliche sind täglich gefährdet.

Die Ausweisung der Zone 30 ist ein Schritt in Richtung Verkehrssicherheit für Kinder/Schüler, genügt aber nicht, denn es verringert nicht die Zahl der Autos, die sich da jeden Morgen, jeden Nachmittag ein Stelldichein geben und damit Unsicherheit schaffen.

 

Mit dem Slogan: "Schildkröten haben Panzer, Kinder nicht" will Ecolo zum Nachdenken anregen, zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Schulwege zu schaffen. Es gilt einerseits den Autofahrern klar zu machen, dass Kinder verletzlich sind und besonders im Bereich der Schulen Aufmerksamkeit geboten ist. Es gilt aber auch den Eltern zu verdeutlichen, dass sie zur Gefährdung der Kinder beitragen, indem sie versuchen mit dem Auto so nah wie möglich an die Schule zu kommen.

 Als Aufhänger der Aktion "Schildkröten haben Panzer, Kinder nicht", an der sich alle Kinder beteiligen können, verteilt die Ecolo-Lokalgruppe Ende der Woche kleine Schildkröten aus Gips zum Anmalen, begleitet von der Bitte um Anregungen zum Thema Verkehrssicherung an den Schulen, wissend dass Kinder oft sehr kreativ sind.

Die Schildkröten sollen prioritär vor der SGU verteilt werden, als kleines Präsent an die neu entstandene Schulgemeinschaft; Kinder anderer Schulen können die Tierchen im Ecolo-Büro abholen.

Die bunt bemalten Schildkröten sollen bis zum 1. Oktober zusammen mit den Vorschlägen und dem Namen, der Schule und dem Alter der Kinder ebenfalls im Ecolo-Büro abgegeben werden. Sie werden dann in einem Schaufenster in der Unterstadt ausgestellt und dem Künstler, der Künstlerin später zurückgegeben. Als Dank erhalten die Kinder ein kleines Präsent.

Nach der symbolischen Aktion veranstaltet die Ecolo-Lokalgruppe am Montag, dem 13. Oktober um 20.00 Uhr einen Vortragsabend zu dem Thema "Verkehrssicherheit an Schulen.? Dabei soll darauf eingegangen werden, welche Fragestellungen zu Beginn einer Planung einer Schule zu berücksichtigen sind, welche Alternativen es zum Auto geben könnte, welche Voraussetzungen dazu geschaffen werden müssten.
Dazu konnte die Ecolo-Lokalgruppe den Stadt- und Verkehrsplaner Dipl.-Ing. Ralf Kaulen gewinnen, der unter anderem schon für den ADAC die Kampagne "Kinder sicher unterwegs in unseren Städten? und die Aktionstage in Bonn "Kinder sehen anders - mehr Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr? lancierte und positive Beispiele aus der Praxis mitbringt.

Gemeinsam mit ihm möchte die Lokalgruppe mit interessierten Bürgern und Bürgerinnen, Eltern und Lehrern, aber auch den politischen Entscheidungsträgern das Thema Mobilität und Schule anpacken und konkrete Vorschläge entwickeln, damit unsere Kinder einen sicheren Schulweg haben und das Auto öfters mal in der Garage bleibt...